IWANOWO DETSTWO (IWANS KINDHEIT)

09. Jun. 16 - 21:15
IWANOWO DETSTWO (IWANS KINDHEIT)
1962
96.00'
Regie: 
Andrei Tarkowski
Drehbuch: 
Michail Papawa
Produktion: 
G. Kusnezow
Musik: 
Wjatscheslaw Owtschinnikow
Kamera: 
Wadim Jussow
Schnitt: 
Ljudmila Feiginowa
Besetzung: 
Kolja Burljajew (Iwan)
Walentin Subkow (Hauptmann Cholin)
Jewgeni Scharikow (Leutnant Galzew)
Stepan Krylow (Sergeant Katasonow)
Nikolai Grinko (Oberstleutnant Grjasnow)
Walentina Maljawina (Mascha)
Andrej Kontschalowski (Soldat)
Auszeichnungen: 

Filmfestspiele von Venedig 1962:

Goldener Löwe für Andrei Tarkowski (anteilig)

San Francisco International Film Festival 1962:

Golden Gate Award für die beste Regie für Andrei Tarkowski

HANDLUNG

Ganz alleine in der Welt, nachdem die Nazi seine Familie getötet haben, arbeitet der zwölfjährige Ivan als Informant für die Russen, zerrissen zwischen seinem Hass gegen den Feind und seinem Bedürfnis nach Schutz und Zärtlichkeit. Doch der Krieg wird auch ihn verschlingen. 
 

REZENSION

Diese lyrische und tragische Erzählung über eine vom Krieg beraupte Kindheit war der Anfang von Tarkovskijs Schaffen, in welchem bereits das Thema der Irrazionalität der Geschichte vorhanden ist. Die symbolische Suche, die vielen ästhetischen Entscheidungen zugrunde liegen, brachten ihm viele Vorwürfe ein, des Formalismus, der kuscheligen Poesie, und ein Produkt der dekadenten Kultur zu sein, mit einem Fall zum Krankhaften. Tarkovskij fand einen leidenschaftlichen Verteidiger in Jean Paul Sartre, der in ihm ganz neue Elemente und eine unglaubliche Autorenpersönlichkeit sah.
 
Der Film führte zu einer Kontroverse, in der Jean-Paul Sartre den Film gegen eine Kritik im italienischen kommunistischen Parteiorgan L’Unità verteidigte, wo Tarkowski eine kleinbürgerliche symbolistische Ästhetik vorgeworfen worden war.
 
Ingmar Bergman schrieb über den Film: "Meine Entdeckung von Tarkowskijs erstem Film war wie ein Wunder. Plötzlich fand ich mich vor der Tür zu einem Raum stehen, dessen Schlüssel mir bis dahin nie gegeben worden waren. Es war der Raum, den ich immer betreten wollte und wo er sich frei und voller Leichtigkeit bewegte."
 
Klaus Kreimeier schrieb, der Film führe vor, „wie namenloses Leid in einem Menschen versteinern kann und von nun an sein Denken, sein Handeln, seine ganze Existenz bestimmt. […] Gewiß endet IWANS KINDHEIT tragisch, mit dem physischen Tod des Helden – lebendig aber bleiben die Potenzen, die in Iwan angelegt sind und anderen Menschen helfen können, zu sich selbst zu finden […] Zärtlichkeit trotz aller Verzweiflung und aller Schrecken: vielleicht besteht darin der Sinn des Opfers, dessen Geschichte dieser Film erzählt.“ 
 

CURIOSUM

Die Mutter von Ivan wird im Film von der Mutter des Regisseurs gespielt.