IL PIANETA AZZURRO (Der blaue Planet)

12. Mai. 16 - 20:45
IL PIANETA AZZURRO (Der blaue Planet)
1982
88.00'
Regie: 
Franco Piavoli
Drehbuch: 
Franco Piavoli
Produktion: 
Silvano Agosti
Schnitt: 
Franco Piavoli
Besetzung: 
Laiendarstellern
Auszeichnungen: 

Auszeichnungen

Preis AGIS am Filmfestival von Venedig 1982

USA Filmpreis: CITC UNESCO 1982

Publikumspreis am Festival von Nyon 1982

Preis Henri Alekan am Festival von Poitiers 1983

Nastro d'Argento 1983

Preis  für den besten neuen Direktor vom Sindacato Nazionale Critici Cinematografici 1983

Preis Saint Vincent – Targa Mario Gromo 1983

Der Film, der im Valbruna zwischen Brescia und Mantua gedreht wurde, beschreibt – ganz unter dem Zeichen des Wassers - den Kreislauf der Tage und Jahreszeiten und das Leben der Natur. Vom Erwachen aus dem winterlichen Gefrieren zum blühenden Frühling, die Sommerhitze bei der Arbeit auf dem Feld und das Zwielicht des Herbstes. Im Verfolgen der Jahreszeiten setzt sich der Mensch mit der Natur auseinander, und somit auch mit den essentiellen Momenten seines eigenen Lebens: mit der Kindheit, der Liebe, dem Essen, der Arbeit, des Schmerzes.

Rezensionen

 

“ Der blaue Planet”,  Gedicht, Reise, Konzert über die Natur, über das Universum, über das Leben. Ein anderes Bild als das Übliche. Einfach und wahrhaftig anti- Disney.

 

Andrej Tarkovskij

 

Ein absolut einzigartiger Film, magisch, ursprünglich, der vom Betrachter eine mehr als nur oberflächliche Bereitschaft zum Sehen verlangt, der jedoch im Stande ist, die scheinbar verlorene Fähigkeit anzuregen, die Welt und den Einklang zwischen den Menschen und dem Universum wahrzunehmen.

 

Paolo Mereghetti - Dizionario dei film

 

Es war, wie wenn jemand statt der Leinwand ein magisches Fenster aufgerissen hätte – jedoch von jenem Typ von Magie angeregt, der uns alltäglich umgibt, jene die der Mensch des 20. Jahrhunderts entschieden nicht sehen möchte. Fragt niemanden, der das Leben mit Kino verbringt, sich für die Natur zu begeistern, auch wenn man sie im Kino sieht. Und doch gestehe ich, dass ich mit dem Film “Il pianeta azzurro” eine permanente Überraschung erlebte, zusammen mit einem Gefühl der Reue für die verpasste Zeit. Aber wie? Durch das quadratische Auge von Franco Pavioli gesehen, kommt man zum Schluss, dass es kein faszinierenderes, komplexeres, abenteuerlicheres und unvorhersagbareres Schauspiel gibt als die Welt, in welcher wir leben. Diesen Film sollten obligatorisch und ohne Zeit zu versäumen alle Italiener sehen, denn es kristallisiert etwas heraus, das wir extrem stark brauchen: das verlorene Alphabet der Realität.

 

Tullio Kezich  - “La Repubblica”, 29 agosto 1982

 

…Franco Piavoli, ein aussergewöhnlicher Autor von einem einzigartigen Film, “il pianeta azzurro” ist eines der schönsten Epen über die Natur, das man je im Kino gesehen hat.

 

Max Tessier – “Le Matin” – 5 marzo 1983

 

…obwohl es auch davor Filme ohne Musik und Sprache gab, ist der Ansatz von “il pianeta azzurro” einmalig und einzigartig…

Calvin Ahlgren – “San Francisco Cronicle” - 30 settembre 1984

“Il pianeta azzurro” passt in keine Kategorie: ohne Dialoge, ohne  Stimme aus dem Off, ohne Untertitel und mit einem Minimum an Musik, erlaubt uns der Film, die gewohnte Erscheinung der Erde so zu sehen, wie wenn wir sie nie gesehen hätten… Die Klänge des “Pianeta azzurro” sind vollkommen darin integriert und werden Teil seiner magischen Intensität.

Irving R. Cohen - “Pacific Sun” 5 novembre 1984

Kuriosum

Silvano Agosti, der Produzent des Films, stellte Piavoli für den Pianeta azzurro eine Filmkamera Arriflex zur Verfügung, mit welcher der Regiesseur mit seinem Assistenten Neria Poli 30'000 m Band filmen konnte. Der daraus entstandene Film feierte am Festival von Venedig und auch bei den Medien einen grossen Erfolg und erhielt zahlreiche Filmpreise. Trotzdem war es für den Film unmöglich, in einem der 2000 nationalen Säle in Italien gezeigt zu werden. Neun von zehn Säle in Italien sind für Filme aus der amerikanischen –und einer von zehn für die aus der italienischen Filmindustrie reserviert. Nach zahlreichen vergeblichen Versuchen, dafür einen Saal zu finden, entschloss sich der Produzent schliesslich, diesen feinen und hochkultivierten Film im Cinema Modernetta zu zeigen.

Das Cinema Modernetta war eines der berühmtesten Rotlichtkinos Roms. Die Ticketverkäuferin fragte demnach jeden Zuschauer:” Porno oder Pianeta azzurro?” Die Idee erwies sich als riesiger Erfolg.

Jedoch auch dort verhinderte schlussendlich die Industrie – diesmal die kulturelle - dem Film gezeigt zu werden. Als Renzino Rossellini, der – unwahrscheinliche - Neffe von Roberto Rossellini den gewaltigen Erfolg von Pianeta azzurro in einem Porno Kino sah, stoppte er den Film und stellte an seine Stelle “Querelle” von Fassbinder ins Programm. Danach entschied sich der Produzent, selber ein Kino zu gründen, aus welchem niemand mehr den Autorenfilm vertreiben konnte: so ist das Cinema Azzurro Scipioni geboren – “azzurro” zu Ehren des Pianeta azzurro und Scipioni, weil es sich in der Via degli Scipioni befindet!